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Leseproben

Herbst - ein Gedichtethread zum Mitmachen (auch für Gäste)


Begonnen im Herbst 2006.
Auszug:


heckenrosig
einen herbstmorgen lang
nebel leben

(Melusine, gepostet im Oktober 2007)


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Auf den Flügeln


von Sarina
(08.Sep.09)


Lange, bevor ich ihn sehen konnte, war er da. Kein Schatten ging ihm voraus, kein Zeichen. Er kam wie die Nacht, bevor es dunkel wird: still, und das Kommende war zu fühlen.

Ich spürte seinen Atem auf meinen Schultern, seinen Duft: ein Magier, der die Fäden des Altweibersommers in den Händen hielt und das Haus spann, in dem wir von nun an wohnen würden. Mit Nebelzungen küsste er meine Haut. Die Sonne träufelte sich wie Honig über die Berge.

Ich erkannte jetzt den Moment, ehe er geschah. Ich konnte dir nah sein oder dich lassen, ich konnte sogar einen anderen Menschen lieben – du warst stets gleich nah und entfernt und doch immer anders; geheimnisvoll wäre der richtige Ausdruck. Je weiter du von mir weg warst, desto näher warst du mir, selbst dort im Norden, wo die Liebe in Eiskristallen wohnt.

Er kam wie jedes Jahr; auf seine beständige, liebende Weise, ohne die Kleider des Willen und die Hunde des Wollens. Er war einfach da.

Ich dachte, ich sollte dich nicht so sehr lieben. Nicht jemanden wie dich, der die Haut der Blätter öfter berührte als die eines Menschen und der in der Spur einer Schnecke mehr liest als in den Linien einer Hand: wem soll ich erklären, wie weit die Seele ist?

Ich stand auf dem Balkon zwischen den Menschen mit einem Glas in der Hand. Eine Sternschnuppe fiel und ich wollte augenblicklich hier mit dir versinken, in deinem Duft gefangen, im abendfeuchten Gras.

Die Sternschnuppe verglühte und er war gekommen: es war Herbst geworden im Tessin.


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Ohjemine


von xund
(22.Nov.06)


Jepft ich büffef,
weil liebte Füffef
tropf Warnung.
Muffte Dentift
ohne Erbarmung
Pfähne aufmift.
Macht nichpf, habe
Plaftikfublade


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(Ein weiterer Beitrag aus der Anfangszeit des Forums, wieder hochgeholt anlässlich "1000 Tage Literarchie" am 15.8.)


dieses Lied, singend


von Dani
(22.Nov.06)
(erster Beitrag im "neuen" Forum nach der Übersiedlung)


es brach ganz leise, innen
während deine Geige in mir noch summte

(spielen wir mabuka, mabuka)

ich schwebte lange
spürte dichtend, blind nach dir
während deine Geige in mir noch summte

lichte das Erinnern, zügig
beschrieben nicht länger
die letzte Enge deines Gesichts
himmelwärts dein Kinn, zwischen
diesen Lippen lebte ich

während deine Geige in mir noch summte
brach es laut aus mir hervor
ich liebte dich
niemals

so wie heute


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Hochgeholt anlässlich des Jubiläums "1000 Tage Literarchie" am 15. August 2009 - siehe » hier und » hier


geschlagene liebe


Kurzgeschichte zum Thema Liebe und Leid

von animus
(26.Feb.07)


'Wenn ich mich von ihm schlagen lasse, dann wird er wieder zärtlich zu mir sein.'
Denkt Laura laut, während sie aus dem Fenster auf die Fußgängerzone runterschaut.
Schon lange hat er sie nicht mehr angefasst oder ihr ein liebes Wort gesagt.
Lange her, dass sie in seinen Armen eingeschlafen ist, nach dem er sie leidenschaftlich geliebt hatte.
Sie weiß, dass er trotz seiner Kraft ein zärtlicher Liebhaber ist, mit viel Fantasie und Gefühl.
In diesen Augenblicken war sie immer sehr glücklich mit ihm.

...

(Nach Zufallsprinzip ausgewählt als Teil eines Forenrückblicks)


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Goldene Muscheln


von EMJu
(04.Jun.09)


Das Netz, das Karl geknüpft hat, sieht gut aus. Ganz gleichmäßig mit großen Maschen. Hier und da hat er eine goldene Muschel eingeflochten.
"Das ist sehr hübsch!", sage ich. "Willst du fischen gehen?"
"Ja", bestätigt er. "Menschenfischen."
Für Menschen scheinen mir die Maschen etwas zu groß zu sein. "Rutschen die da nicht durch?"
"Nicht, wenn sie sich an den goldenen Muscheln festhalten", antwortet er. "Wer sich an ihnen festklammert, gehört mir. Und damit sie nicht mehr loskommen, habe ich dort, wo die Muscheln sind, Kleber in das Netz geschmiert."
Das scheint mir irgendwie unfair. Ich setze mich zu Karl ans Netz und flechte Scheren neben die Muscheln. Rügend sieht er mich an.
"Eine kleine Chance solltest du ihnen schon lassen", finde ich.
Er kontert: "Die meisten werden sich trotzdem an ihre goldenen Muscheln krallen."
Dann wirft er sein Netz aus.


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Der Unverkannte


von Der Ohrenschützer
(05.Mai.09)


Da schreibt ein Mensch, er denke quer
Als ob das was Besondres wär
Und wähnt sich geistig elitär
Denn niemand folgt ihm hinterher

Doch keiner ruft - es würd ihn kränken:
"Üb lieber mal das grade Denken!"


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Sehnsucht nach Krautfleckerln


von hwg
26.Apr.09

Wir Zeitungsschreiber kommen ja viel herum und sind auch Besucher so genannter gesellschaftlicher Highlights. Unlängst gab es ein solches in einem namhaften Restaurant, wo sich die Prominenz aus Wirtschaft und Politik traf, um sich an einem Festmahl zu delektierten.
„Der Champagner ist doch etwas flach“, urteilte die Hofrätin und spitzte dabei ihr Mündchen. Der Gastgeber überhörte den Hinweis nobel, dafür erklärte er ausführlich die Vorzüge der extra eingeflogenen frischen Seefische.
Dem ganz in Schwarz gekleideten Generaldirektor fiel dazu eine Zubereitungsart ein, die er während seines Urlaubs an der Nordsee erfahren hatte. Danach kreisten die Gespräche der Damen und Herren um so weltbewegende Fragen wie die nach dem Erwärmungsgrad von Trüffel, warum sich Hummer so gut mit Wirsing verbinden lässt und wie hoch der Preis für Kaviar gestiegen ist.

Eigentlich ist es ja prima, mit Leuten am Tisch zu sitzen, denen es zumindest wirtschaftlich und gesellschaftlich gut geht. Aber in letzter Zeit wird mir immer stärker ein Phänomen bewusst, das ich mit „Kulinarischem Prestigegehabe“ umschreibe. Aber das Festmahl sollte wohl das außergewöhnliche Ansehen des Gastgebers unterstreichen.
Irgendwann kamen die Erdäpfel zu ihrem Auftritt. Sie waren nicht einfach klein und einigermaßen rund, sondern püriert einer Gänsestopfleber beigegeben. Kleine Raffinesse eines Sterne-verdächtigen Ganges, den die Hofrätin sofort als „Ètouffé-Täubchen auf Kartoffel-Gänsestopfleber-Mousseline mit Blutwurst-Apfel-Wan Tan“ diagnostizierte. Niemand widersprach ihr.
Himmel, hilf, flehte ich und versank in der Üppigkeit des französischen Rotweines. Ich gab mich kulinarischen Erinnerungen hin. Wie wir in unserer Jugend oft zum Spaghetti-Essen zusammenkamen, die Sauce Bolognese „gerecht“ verteilten, dazu einen Valpolicella aus der Eineinhalb-Liter-Flasche tranken. Es waren herrliche Essen, wir redeten über Gott und die Welt, es schmeckte hinreißend.

An diesem Abend im Nobelrestaurant, wo die Gästenamen fast so hochklassig klangen wie die Zutaten, überkam mich eine tiefe Sehnsucht nach kulinarischer Einfachheit. Nach Krautfleckerln, über die sich die Gäste gut gelaunt hermachen. Als ich zu Hause ankam, hatte ich den unwiderstehlichen Drang, mir in der Küche noch eine Scheibe Brot abzuschneiden und dick mit Leberwurst zu bestreichen – garantiert nicht getrüffelt.


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Andromeda


von t.a.j.
(12.Mai.08)


Schönheit in Ketten
das Meer erbebt,
die Brandung schäumt
wie aufgeschlagener Samen,
dem keine Venus entsteigt.

Er naht: Ein Schatten
sie zittert
als hätte sie Angst:
Ihr Apfelbusen erschaudert,
perlige Gänsehaut
bedeckt ihre schlanken Beine.

Mit ihren feinen Fingern malt
sie ein Zeichen
wie ein S.O.S. an den Himmel
die Linien sind ebenmäßig
und sauber, nicht ausgefranst,
ohne deshalb weniger aufregend
zu sein.

Ihre Lippen formen ein perfektes Oval,
rot und vielversprechend
wie ein Abbild ihrer
versteckten Scham,
als sie zu singen beginnt.
Ihren Ketten entlockt sie rostige Tränen,
zu ihren Füßen ruht der Wind.

...


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Der Augenblick


von NDK
(08.Sep.08)


Der Augenblick verweilte nicht,
am Ende ging es schnell,
Glassplitter steckten im Gesicht,
und plötzlich sah er hell

Oh hätte doch der Augenblick
nur’n Augenblick gewartet,
er wäre an der Ampel vorn
bei Gelb noch durchgestartet!

In seine Knochen kroch der Tod,
ihm wurde angst und bang,
als mitten in der höchsten Not
die Stimme in ihn drang:

Sie-haben-ihr-Ziel-erreicht!
... da wurde ihm ganz leicht.


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    Hi la-mamma,
    virago - 20. Aug, 15:20
    *lach* das wird also...
    la-mamma - 20. Aug, 13:40
    Hallo Sun-ray,
    virago - 6. Aug, 20:20
    Uiiiii - das ist aber...
    Sun-ray - 6. Aug, 16:15

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