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Auf den Flügeln


von Sarina
(08.Sep.09)


Lange, bevor ich ihn sehen konnte, war er da. Kein Schatten ging ihm voraus, kein Zeichen. Er kam wie die Nacht, bevor es dunkel wird: still, und das Kommende war zu fühlen.

Ich spürte seinen Atem auf meinen Schultern, seinen Duft: ein Magier, der die Fäden des Altweibersommers in den Händen hielt und das Haus spann, in dem wir von nun an wohnen würden. Mit Nebelzungen küsste er meine Haut. Die Sonne träufelte sich wie Honig über die Berge.

Ich erkannte jetzt den Moment, ehe er geschah. Ich konnte dir nah sein oder dich lassen, ich konnte sogar einen anderen Menschen lieben – du warst stets gleich nah und entfernt und doch immer anders; geheimnisvoll wäre der richtige Ausdruck. Je weiter du von mir weg warst, desto näher warst du mir, selbst dort im Norden, wo die Liebe in Eiskristallen wohnt.

Er kam wie jedes Jahr; auf seine beständige, liebende Weise, ohne die Kleider des Willen und die Hunde des Wollens. Er war einfach da.

Ich dachte, ich sollte dich nicht so sehr lieben. Nicht jemanden wie dich, der die Haut der Blätter öfter berührte als die eines Menschen und der in der Spur einer Schnecke mehr liest als in den Linien einer Hand: wem soll ich erklären, wie weit die Seele ist?

Ich stand auf dem Balkon zwischen den Menschen mit einem Glas in der Hand. Eine Sternschnuppe fiel und ich wollte augenblicklich hier mit dir versinken, in deinem Duft gefangen, im abendfeuchten Gras.

Die Sternschnuppe verglühte und er war gekommen: es war Herbst geworden im Tessin.


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